Google: Vom Nokia der KI-Welt zum KI-Champion

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Was ist denn bitte mit Google los?

Vor 24 Monaten war Google in vielen Köpfen das „Nokia der KI“. Groß, langsam, zu abhängig von einem alten Geschäftsmodell.

Und jetzt baut Apple die nächste Siri-Generation auf Gemini auf. Google setzt mit einem Commerce-Protokoll Standards für agentengesteuerten Einkauf.

Und OpenAI ruft intern „Code Red“ aus. Die Rollen haben sich gedreht.

Für mich ist das keine Story über ein besseres Modell. Es ist eine Story darüber, was passiert, wenn ein Konzern sein Operating Model konsequent ausrichtet – und zwar dort, wo es weh tut: Kosten, Distribution, Monetarisierung. Auch auf die Gefahr hin, dass man seinen Goldesel schlachtet.

Ich sehe drei Gründe, warum die Geschichte plötzlich „fliegt“:

1️⃣ Fokus + Leute: Nach dem Schockmoment wurde KI nicht mehr als Nebenprojekt behandelt. Das Management hat priorisiert und Teams neu ausgerichtet. Das Know-how hatten sie eh schon.
2️⃣ Hardware-Stack: Eigene TPUs sind kein Nerd-Detail, sondern ein Margenthema. Wer Inferenzkosten strukturell drückt, kann mehr Produktfläche mit KI besetzen – ohne dass jede Antwort zur Verlustrechnung wird.
3️⃣ Monetarisierung über Suche: Google hat eine Maschine, die Nachfrage in Geld übersetzt. KI in der Suche ist nicht nur „Experience“, sondern ein Erlös- und Datenkreislauf. Diese Kombination fehlt vielen Herausforderern.

Das ist der eigentliche Punkt: Google kann KI nicht nur bauen, sondern in Milliarden-Nutzer-Produkte pressen und dabei die Economics kontrollieren. Das ist ein anderer Wettkampf als „wer hat den besten Chatbot“.

Konsequenz: KI-Leadership ist weniger ein Modellrennen als eine Skalierungsdisziplin. Wer keinen Kostenhebel und keinen Distributionshebel hat, spielt dauerhaft mit halber Kraft. Man kann damit fahren – aber nicht in Führung gehen.

OpenAI merkt das gerade. Mal sehen, ob sie einen Hebel finden, um zurückzukommen.

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