Das hier ist kein Checkout-Upgrade, das ist ein Besitzanspruch auf den Einkaufsprozess. Google setzt mit UCP die Leitplanken, damit Shopping in Gemini startet – nicht in ChatGPT.
Vereinfacht gesagt ist Googles neues Universal Commerce Protocol (UCP) ein Standard, mit dem Google den gesamten Kauf vom KI-Interface bis zum Checkout durchreichen kann.
Strategisch bedeutet das: Der E-Commerce bekommt neues Land verteilt. Nicht geografisch, sondern an der Stelle, an der Kaufabsicht entsteht.
Bislang war der Start für die meisten Kategorien: Suche. Und damit: Google. Jetzt verschiebt sich der Einstieg in Shopping Richtung KI-Interface. Wer dort die Standards setzt, zieht den Handel in sein Ökosystem – ganz egal, ob am Ende noch ein Webshop existiert.
Stellen wir uns einen Elektronikhändler vor: Der Kunde startet nicht mehr bei deiner Webseite, sondern fragt eine KI nach dem besten 65-Zoll-TV. Wer im Interface sauber integriert ist, landet im Warenkorb – der Rest findet gar nicht erst statt.
Genau deshalb ist Googles UCP strategisch so relevant. Nicht, weil es „schöne Technik“ ist, sondern weil es Google erlaubt, den Kauf direkt aus der eigenen Oberfläche heraus zu orchestrieren: AI Mode in der Suche, Gemini-App – und der Checkout läuft ohne Medienbruch. Der Händler bleibt formell Merchant-of-Record. Die erste Interaktion gehört trotzdem dem Interface.
Das ist auch der eigentliche Gegenzug zu OpenAI. ChatGPT arbeitet seit Monaten daran, den Kaufabschluss und App-Integrationen in den Chat zu holen. Wenn das gelingt, verliert Google nicht nur Klicks, sondern den Startpunkt der Customer Journey. UCP ist Googles Antwort: Den Einstieg in Shopping, der früher über Search kam, soll im KI-Zeitalter nicht an ein fremdes Interface abwandern.
Google hat dabei einen strukturellen Vorteil, den man nicht wegdiskutiert: bestehende Händler-Anbindungen, enorme Intent-Daten, Payment/Wallet, ein eingespieltes Ökosystem aus Search/Ads/Analytics. UCP wirkt wie die nächste Klammer, mit der diese Teile zusammenziehen – und die „OpenAI-Flanke“ schmaler machen.
Für Händler heißt das: Der Wettbewerb verlagert sich weg von „wer hat die beste Website“ hin zu „wer wird vom Interface bevorzugt gefunden und reibungsarm abgeschlossen“. Der Kampf um die Oberfläche ist nicht Marketing. Es ist Distribution.
Konsequenz: UCP ist kein IT-Häkchen, sondern eine Macht- und Kanalentscheidung. Wer mitmacht, sollte harte Regeln definieren: welche Sortimente agententauglich sind, wo Differenzierung bewusst im eigenen Erlebnis bleibt – und welche Abhängigkeit man in Kauf nimmt.
Nahtlos ist selten kostenlos.

