KI soll menschliche Fähigkeiten erweitern, nicht Menschen ersetzen. Das schreibt Microsoft-CEO Satya Nadella in seinem kleinen, persönlichen „Scratchpad“.
Ich finde sowohl das Medium als auch die Aussage bemerkenswert. Kein großes Launch-Trommeln, kein Marketing-Memorium, eher ein CEO, der seine Gedanken sortiert. Mal sehen, wie konsequent das in der Produkt- und Go-to-Market-Welt durchgehalten wird.
Natürlich kann man ketzerisch sein: Vielleicht lenkt er damit auch von den großen Agenten-Versprechen ab, die im Copilot-Alltag noch nicht stabil genug funktionieren. Möglich. Nur: Selbst wenn es ein Teilmotiv ist, macht es die Aussage nicht falsch.
Die Fixierung auf „KI ersetzt Arbeit 1:1“ ist eine bequeme Story – vor allem, weil sie sich in Headcount und Einsparungen übersetzen lässt. In der Praxis scheitert sie aber oft an etwas sehr Unromantischem: Die Welt ist voller Kontext, Ausnahmen, Haftung und Nebenbedingungen. Genau das ist der Stoff, aus dem komplexe Organisationen bestehen.
Ja, es gibt Felder, in denen Agenten wirklich substituieren können: dort, wo Arbeit stark strukturiert ist, Inputs sauber sind und Abnahme klar geregelt ist. Aber aus diesen Inseln wird gerade eine Erzählung gebaut, als wäre das die Blaupause für „bald alles“. Das ist Wunschdenken mit Demo-Charakter.
Der bessere, robustere Weg ist auf längere Zeit die Zusammenarbeit: KI als Sparringspartner, als Mitdenker, als Beschleuniger – nicht als Ersatz-Phantasie.
Das trifft den positiven Kern: Wir werden nicht „wegoptimiert“, wir werden erweitert. Und genau deshalb kommt man schneller voran: Akzeptanz steigt, Lernkurven werden steiler, und man baut Organisationen, die mit Unsicherheit umgehen können, statt sie zu ignorieren.
Wenn man KI als “Partner in Crime” positioniert, gewinnt man Tempo und Qualität. Wenn sie hingegen als Ersatz für Arbeit verkauft wird, ist der Gegenwind schon vorprogrammiert.
Das ist so einleuchtend, dass es kein großes Marketing dafür braucht.

