Wir Menschen werden zum Flaschenhals.
Letzte Woche habe ich mit Claude ein Projekt recherchiert. Die Idee: Die KI arbeitet, ich fasse nachher zusammen.
Die Realität war anders.
Claude lieferte in 20 Minuten, was früher Stunden gedauert hätte – aber ich brauchte dann zwei Stunden, um die Ergebnisse zu durchdringen, zu bewerten und einzuordnen. Die reine Arbeitszeit war kürzer, aber die mentale Belastung höher.
Mir wurde klarer denn je: Die Skills, die ich für Arbeit MIT KI brauche, sind komplett andere als die, die ich für Arbeit OHNE KI gebraucht habe. Früher war ich in diesem Szenario Rechercheur, heute bin ich Qualitätsprüfer und Koordinator.
Das kann nicht jeder gleich gut. Aber alle sollen plötzlich mit KI-Tempo mithalten.
Beim Vibe Coding wird das noch deutlicher. Der Code entsteht in Sekunden, aber jemand muss ihn verstehen, bewerten, einordnen können. Das ist keine entspannte Überwachungsarbeit – das ist hochkonzentrierte Interpretationsarbeit unter Zeitdruck.
Das Perfide daran: Wenn wir an unsere Kapazitätsgrenze kommen, neigen wir dazu durchzuwinken.
„Die KI wird schon richtig liegen.“
„Das sieht plausibel aus.“
„Wird schon stimmen.“
Damit haben wir genau das Gegenteil von dem erreicht, was wir wollten: Weniger Kontrolle bei höherem Output.
Dabei zeigt sich ein Paradox: Fachkenntnis hilft enorm dabei, Widersprüche oder Ungenauigkeiten in KI-Ergebnissen zu erkennen. Aber KI soll uns ja gerade dort weiterhelfen, wo wir uns nicht so gut auskennen.
Die Skills, die wir jetzt brauchen – die richtigen Fragen stellen, Texte schnell erfassen statt schreiben, fremde Strukturen hinterfragen – sind schon heute wichtig, aber rar. In Zukunft brauchen deutlich mehr Menschen genau diese Fähigkeiten.
Wir müssen beim KI-Einsatz nicht nur die falsche Frage stellen „Welche Arbeit kann KI uns abnehmen?“, sondern insbesondere „Welche neuen Fähigkeiten brauchen wir, um KI-Ergebnisse vernünftig zu handhaben?“ Und vor allem: „Wie bauen wir diese Fähigkeiten bei den Menschen auf, die sie brauchen werden?“
Sonst wird aus der versprochenen Entlastung eine neue Form der Überforderung. Mit schlechteren Ergebnissen als vorher. Und die KI wartet auf unsere Antworten.
Ob sie dann wohl innerlich mit den Fingern auf den Tisch trommelt?
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