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Salesforce baut seine Geschäftsmodelle um.

KI-StrategieKI-Agenten

Volker Meise vor einem Hochhaus im Bau, daneben ein Bauschild mit Salesforce-Logo: „Salesforce baut um: Preismodell, Interface, Schnittstelle“ (KI-generiert)

Salesforce baut gerade an drei Stellen gleichzeitig sein Geschäftsmodell um, und jede davon ist KI-induziert.

Erstens: Das Preismodell.

Das klassische SaaS-Geschäft bepreist Sitze: pro Mitarbeiter, pro Monat. Das funktioniert nur, solange Menschen die Software bedienen. Wenn Agenten die Arbeit machen, kollabiert die Logik: weniger Menschen vor der Maske, also weniger Seats, also weniger Umsatz - und zwar ausgerechnet dann, wenn das Produkt mehr leistet.

Salesforce hat bei Agentforce deshalb zusätzlich Flex Credits eingeführt (Verbrauchslogik statt Seats) und experimentiert lt. The Information weiter Richtung Flexibilität und Outcome-Elementen: Salesforce war einer der ersten Großanbieter mit Outcome-Verträgen.

Die ehrliche Übersetzung: Sie wissen selbst nicht, was die richtige Bezugsgröße ist, wenn "Nutzer" als Einheit wegfällt. Niemand weiß das gerade.

Zweitens: Das Interface.

Claudeforce heißt konkret: Kunden erledigen Salesforce-Aufgaben durch Claude - und Salesforce steckt umgekehrt in Claude drin.

Das ist bemerkenswert, weil Salesforce damit die eigene Oberfläche zur Disposition stellt. Zwanzig Jahre lang war das UI der Gewohnheits-Lock-in: Wer sein Team einmal auf Salesforce geschult hat, wechselt nicht. Wenn aber der Agent das Interface ist, ist die Oberfläche wertlos.

Salesforce hat sich entschieden, diese Schicht lieber kontrolliert aufzugeben als sie unkontrolliert zu verlieren. Denn die Alternative wäre, dass Nutzer sowieso über Agenten zugreifen, nur eben an Salesforce vorbei.

Drittens: Der neue Moat-Versuch.

Parallel will Salesforce Geld nehmen, wenn fremde KI-Systeme auf Daten in seinen Produkten zugreifen. Das ist die eigentliche strategische Wette: Wenn Interface und Workflow-Logik nicht mehr verteidigbar sind, dann bleibt als knappes Gut nur noch das, was in der Datenbank liegt: die Kundendaten, die Historie, der Kontext.

Der Moat wandert vom Login zur Daten-Schnittstelle, und die Schnittstelle bekommt ein Drehkreuz mit Gebührenordnung.

Durch die Geschäftsmodell-Brille ist das ein Lehrbuchfall: Das monetarisierte knappe Gut (Workflow-Software pro Sitz) wird von KI an zwei Enden substituiert: am Interface durch Agenten, an der Build-Schicht durch KI-Codierung, die "Alternative selbst bauen" plötzlich billig macht.

Und man sieht in Echtzeit den Schutzfaktor-Versuch: die Neuverankerung des knappen Guts in der Datenschicht. Ob das trägt, ist die offene Frage - Daten sind nur so lange ein Moat, wie sie nicht portabel sind, und der Regulierungs- wie der Marktdruck läuft in Richtung Portabilität und offener Konnektoren.

Dazu kommt ein Risiko, das Verlage aus der Google-Ära kennen: Wer das Interface abgibt, gibt die Kundenbeziehung ab. Wenn Anthropic für den Nutzer "der Ort, wo Arbeit passiert" wird, ist Salesforce ein austauschbares Backend mit Zugangsgebühr. Und Zugangsgebühren erheben kann man nur, solange niemand die Daten migriert.

Mal sehen, wohin das führt und welche Modelle sich am Ende etablieren.

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