KI-Agenten beantworten eine alte Frage neu.
Neues System, neuer Bedarf, alte Frage: alles vom Bestandsanbieter nehmen oder die beste Einzellösung suchen? Die Antwort hing jahrelang weniger von der Funktionalität ab als von den Integrationskosten.
Und genau das ändert sich gerade.
KI-Agenten und offene Standards wie das Model Context Protocol schaffen eine neue Integrationsschicht. MCP funktioniert im Prinzip wie ein USB-C-Anschluss für Unternehmenssoftware:
Agenten können über einen einheitlichen Standard auf verschiedene Systeme zugreifen, Daten austauschen und Aufgaben übergreifend erledigen – ohne dass für jede Verbindung eine eigene Schnittstelle gebaut werden muss.
Das verändert die Entscheidungslogik an zwei Stellen.
Wer SAP, Salesforce oder Microsoft im Haus hat, muss beim nächsten Bedarf nicht mehr automatisch das nächste Modul dazukaufen. Das Modul konkurriert jetzt mit jeder Speziallösung, die sich per MCP anbinden lässt. Und Speziallösungen sind in ihrem Bereich oft schlicht besser.
Selbst Oracle hat das offenbar verstanden: NetSuite bietet inzwischen einen MCP-Connector an, der explizit auf „Bring your own AI“ setzt. Wenn der ERP-Anbieter selbst die Tür öffnet, ist das kein Zugeständnis – sondern eine Reaktion auf Kundendruck.
Wer umgekehrt bereits mit mehreren Einzellösungen arbeitet, kann diese per Agent verbinden und neue einfach dazunehmen. Die Koordination, die früher einen zentralen Anbieter brauchte, übernimmt die Orchestrierungsschicht.
Die Suite-Anbieter werden sich wehren, das ist absehbar. Salesforce und SAP rüsten ihre Plattformen selbst mit Agenten auf und kontrollieren den Datenzugang zunehmend über Connector-Gebühren. Die Offenheit hat also eine Machtfrage, und die Gefahr besteht, das man einen Lock-in gegen das nächste tauscht.
Aber was ich nicht mehr sehe: dass es sich lohnt, funktionierende Einzellösungen durch eine große Suite zu ersetzen, nur um weniger Schnittstellen zu haben. Dieses Argument war jahrelang stark. Agenten und offene Protokolle lösen es auf.
Nicht die Herkunft der Software entscheidet, sondern wie gut sich die Teile orchestrieren lassen. Das ist die neue Frage, die man sich stellen muss.

