The thinking divide

von

Die relevanteste KI-Frage im Moment stellen die wenigsten Führungskräfte.

In Gesprächen auf Strategie-Ebene von Unternehmen fällt mir auf: Die meisten denken über KI noch auf der Ebene von Tools und Anwendungsfällen nach. Welches Modell für welche Aufgabe, wo lässt sich ein Prozessschritt automatisieren, wann rechnet sich das.

Das war vor zwölf Monaten die richtige Ebene. Sie ist es heute nicht mehr.

Was sich seit Anfang 2026 verändert hat, ist kein gradueller Fortschritt. KI-Agenten können heute andere, spezialisierte Agenten beauftragen, deren Output beurteilen und das Ergebnis weiterverarbeiten – ohne menschliche Übergabe. Sie suchen sich fehlende Fähigkeiten eigenständig aus einem wachsenden Ökosystem zusammen.

Und der nächste Schritt ist bereits keine Ausnahme mehr: Agenten bauen benötigte Fähigkeiten selbst, wenn keine passende existiert. Das ist keine Automatisierung im klassischen Sinne. Es ist adaptive Orchestrierung – ein System, das sich selbst erweitert, um eine Aufgabe zu erledigen.

Daraus folgt eine Konsequenz, die ich in den meisten Strategiegesprächen noch nicht höre: Wer KI-Agenten ernsthaft einsetzen will, muss zuerst Organisationsarbeit leisten, keine IT-Projekte starten.

Ein Agent kann nur so gut entscheiden wie das Wissen, das er findet. Prozesslogik, Ausnahmen, Entscheidungskontexte, institutionelles Gedächtnis – was heute in Köpfen, E-Mail-Threads und informellen Absprachen steckt, muss strukturiert und für Agenten navigierbar werden.

Wer das überspringt, hat Agenten, die formal laufen und inhaltlich auf dem Niveau eines guten Berufsanfängers bleiben. Produktiv. Aber nicht das, was möglich wäre.

Hier entsteht gerade ein Abstand zwischen Organisationen, der mich mehr beschäftigt als jede Modell-Ankündigung. Die einen stellen keine Tool-Fragen mehr. Sie entscheiden, wie KI ins Operating Model integriert wird, welche Prozesse neu gedacht werden müssen, wer das Wissen für Agenten aufbereitet und wer die Verantwortung dafür trägt.

Die anderen suchen noch den richtigen Anwendungsfall.

Anthropic nennt das „the thinking divide“ – den wachsenden Abstand zwischen Organisationen, die KI als Architekturentscheidung behandeln, und solchen, die noch auf der Suche nach dem richtigen Tool sind.

Beide arbeiten an KI. Aber sie arbeiten an verschiedenen Dingen. Während die einen die Vergangenheit effizienter machen, stellen die anderen sich für die Zukunft auf.

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